PM Fragwürdiger Polizeieinsatz in Sammelunterkunft Thräna

Am Morgen des 28. März stürmen rund 40 Polizist_innen die Sammelunterkunft in Thräna, ohne Gründe für ihr Vorgehen zu nennen. Die Initiative gegen Isolation fordert eine Stellungnahme der Polizei zu dieser Aktion und verlangt eine Rechtfertigung für das teilweise harsche Auftreten.

Gegen 7 Uhr am Mittwoch Morgen stürmten etwa 40 Polizist_innen die Sammelunterkunft für Asylsuchende in Thräna. Das Auftreten wurde von den Bewohner_innen als latent aggressiv wahrgenommen, was unter anderem auch durch die Vermummung der Polizist_innen unterstrichen wurde. Ohne Rücksicht auf schlafende Kinder und Babys wurden die Bewohner_innen aus ihren Zimmern geklopft und zur Vorlage ihrer Ausweise gezwungen. Dort wo sich die Bewohner_innen nicht mehr in ihren Räumlichkeiten befanden, öffnete die Heimleitung die Tür. Bei mindestens einem Fall wurden Fotos vom Zimmer gemacht, die anschließend als Drohmittel gegen die Asylsuchende verwendet wurden. Die junge Frau hatte am Morgen gegen 5 Uhr ihr Zimmer verlassen, um in die Schule nach Leipzig zu fahren. Am Nachmittag wurde sie durch die Heimleitung informiert, dass ihre Privaträume fotografiert wurden und diese Fotos an das Sozialamt weitergeschickt wurden. Man unterstellte ihr, sie würde sich nicht an die durch die “Hausordnung” festgelegten Hygienevorschriften halten und wird nun mit Sanktionen seitens des Sozialamts rechnen müssen.
Die Grundlage für ein solches Vorgehen ist absolut unklar. Nicht nur, dass die Privatsphäre von Menschen einfach ignoriert wurde, ohne dafür einen Grund gegenüber den Geschädigten anzugeben. Nein, weiterhin wurde auch absolut unsensibel auf die Situation der Flüchtlinge reagiert. Dadurch dass viele der Bewohner_innen traumatisiert sind durch Verfolgung, Misshandlung und Flucht, führt eine solche Situation automatisch zum Auslösen einer Assoziationskette, deren Folgen offen sind. Die unsichere Situation, die tagtäglich an den Nerven der Asylsuchenden rüttelt, wird durch ein solch unüberlegtes und grundlos aggressives Auftreten nur verschlimmert. Es liegt auf der Hand, dass ein Erlebnis wie dieses Erinnerungen an das Hinter-Sich-Geglaubte wach werden lässt. Wir fordern eine Rechtfertigung für dieses Vorgehen. Wir fordern, dass die Polizei offen darüber spricht, warum ein derart martialisches Auftreten gewählt wird.
Doch scheint sich dieses Erlebnis nur in die allgemein unmenschliche Behandlung der Flüchtlinge einzureihen. Exemplarisch dafür steht der Streik, zu dem sich zwei Bewohner_innen am selben Tag entschlossen, um nicht länger unter diesen Bedingungen leben zu müssen. Das Pärchen wurde bei seiner Ankunft im Männerhaus untergebracht und nicht wie üblich bei Frauen im Familienhaus. Deshalb zogen sie kurzerhand aus ihrem von Kakerlaken befallenen Zimmer aus und wohnten auf dem Vorplatz. Ihre Forderung nach einer Verlegung wurde vorher mehrfach ignoriert. Erst nachdem sie zwei Stunden lang im Freien ausharrten, wurde ihnen eine Ausweichmöglichkeit im Familienhaus angeboten.
Der 28. März zeigte nur zu deutlich, in welcher Situation sich in Asylbewerber_innen im Landkreis Leipzig befinden. Von den Behörden unter Generalverdacht gestellt werden sie wie Kriminelle behandelt. Traumatische Erlebnisse oder psychische Belastungen werden ignoriert und klein-geredet, eine Analyse der Problemlage findet nicht statt. Gleichzeitig werden sie als Exkludierte behandelt, deren Lebensumstände egal sind und um die sich nur gekümmert wird, wenn es sich absolut nicht mehr vermeiden lässt.