Reaktion auf LVZ-Artikel vom 31.03.

Am 31.03. berichtete die LVZ, dass der Polizeieinsatz in der Sammelunterkunft für Asylbewerber_innen in Thräna am 28.03. keineswegs “fragwürdig” sei. Außerdem wurden ihr von Seiten der Polizei-Einsatzgruppe bestätigt, dass die Beamt_innen weder aggressiv, noch martialisch waren.
Wie aber das Auftreten der Einsatzgruppe auf die Bewohner_innen wirkte, können diese wohl selbst am Besten bewerten. Dass die Beamt_innen sich selbst nicht als aggressiv wahrnehmen, ist wohl klar. Dass eine Einsatzgruppe auf traumatisierte Menschen per Definition aggressiv wirkt, sollte jedoch ebenso einleuchten. Wenn etwa um die 40 teilweise Uniformierte früh um 7 Uhr ein Haus umstellen und jede Tür kontrollieren, dann würde jede_r dies als Angriff wahrnehmen, egal wie freundlich die Beamt_innen vorgehen. Die Tatsache ist, dass ein solches Vorgehen Assoziationen bei den Flüchtlingen weckt. Dieser psychische Zustand der Asylsuchenden muss berücksichtigt werden. Er kann nicht einfach außer Acht gelassen werden, da jeder der dort lebenden Menschen eine Flucht hinter sich hat, deren Erlebnisse bis heute nicht verarbeitet sind. Die Einschätzung der Situation als normal und ruhig sollte deshalb nicht in den Augen der Polizei liegen, sondern bei den Betroffenen. Die Beamt_innen befinden sich in ihrem Arbeitsalltag und empfinden diesen natürlich nicht als unnormal, hektisch, martialisch oder gar aggressiv. Nur wenn dieser von der Alltags-Definition der Beamt_innen abweicht, erhält er einen solchen Stempel. Dass jedoch ein normaler Arbeitstag der Ermittlungsgruppe “Bohemia” auf Flüchtlinge durchaus irritierend wirkt und als Angriff gewertet wird, könnte mit ein wenig Verständnis nachempfunden werden.
Außerdem muss deutlich zurückgewiesen werden, dass der Einsatz nun nachvollziehbar sei. Dass ist er in seiner Verhältnismäßigkeit definitiv nicht. Warum mindestens 40 (!) Beamt_innen einem Verdachtsmoment nachgegangen sind, was sich scheinbar nicht einmal im Ansatz bestätigt hat, bleibt für uns offen. Außerdem kann wohl mit Recht bezweifelt werden, dass die Einsatzgruppe sich zu den Vorfällen geäußert hätte, wenn die Ereignisse nicht ihren Weg in die Zeitung gefunden hätten. Erst aufgrund der öffentlichen Bekanntmachung des Vorgehens entstand der Druck, welcher sie dazu veranlasste sich zu den Vorfällen zu äußern. Noch während des Einsatzes wurden keine weiteren Angaben dazu gemacht, warum ein solches Vorgehen notwendig sei. Zumindestens hatte keine_r der Betroffenen am Ende der Durchsuchung Informationen darüber.
Wir setzen unseren Interpretationshorizont hier nicht weit, sondern suchen das Gespräch mit den Betroffenen. Wenn diese uns mehrfach unabhängig voneinander die Ereignisse wie dargelegt schildern, dann vertrauen wir diesen. Und das werden wir auch weiterhin. Vielleicht würde der LVZ in dieser Hinsicht etwas mehr Nähe zu den Betroffenen nicht schaden und etwas mehr journalistisch-kritische Distanz zu den Behörden definitiv auch nicht!