Beschwerde der Abgelehnten von Choucha März/April 2012

Zu Beginn möchten wir dem UNHCR Management Team, allen NGOs und unserer Gastgeberin, der tunesischen Regierung, für ihre Geduld und ihre Bemühungen bezüglich unserer Notlage seit unserer Ankunft aus Libyen danken.
Wir sind aus Libyen geflohen, welches zum Zeitpunkt unserer Flucht ein Kriegsschauplatz war und wo die meisten von uns jahrelang gelebt und gearbeitet hatten. Unglücklicherweise änderten sich die Umstände und so finden wir uns selbst nun schon seit einem Jahr an der libysch-tunesischen Grenze ohne jegliche Perspektive gestrandet. Die Lebensbedingungen der Wüste machen uns schwer zu schaffen und schlimmer noch ist es an diesem Ort, seit wir erfahren haben, dass es keine weiterführende Lösung für unsere Krise gibt. Die klimatischen Bedingungen sind schrecklich. Diejenigen unter uns, die im Camp eine endgültige Ablehnung erhalten haben, werden mit nichts als dem nährstoffarmen Essen versorgt. Schon seit fünf Monaten erhalten wir keine Hygieneartikel mehr. Am schlimmsten ist jedoch, dass es ohne ein Flüchtlingszertifikat keine medizinische Versorgung für uns gibt.
Das Interviewverfahren lässt uns sehr zweifeln; zu viele komplizierte Fehler wurden während und nach dem Prozess des Interviews begangen. Die schriftlichen Einsprüche, die wir einreichten, wurden nicht ausreichend studiert, um herauszufinden, ob wir für den Schutz des UNHCR qualifiziert sind oder nicht. Die Mechanismen vor Ort sind perfekt, während es am Management mangelt. Wir mussten Fälle von inkompetenten Übersetzern erleben. Zudem wurde über einige Communities auf generelle Weise entschieden, ungeachtet der individuellen Verfolgung, die Einzelne in ihrem Heimatland fürchten. Die meisten Westafrikaner wurden schlicht aufgrund ihrer Herkunftsländer abgelehnt.
Am Mittwoch, den 12. September 2011 besuchte der nigerianische Botschafter in Tunesien das Camp. Er hatte ein Treffen mit dem Protection Team des UNHCR und sah die meisten der UNHCR-Akten.
Später rief er alle Nigerianer im Camp und erklärte ihnen, dass sie Lügner seien und dass die Regierung bei ihrer Rückkehr nach Nigeria gerichtlich gegen sie vorgehen würde. Nach diesem Besuch erhielten alle nigerianischen Flüchtlinge endgültige Ablehnungen vom UNHCR. Dies ist unsere Notlage.
Die meisten von uns sind aufgrund politischer und religiöser Gründe aus unseren Herkunftsregionen geflohen. Wir beklagen, dass die letzten drei Möglichkeiten, welche der UNHCR den abgelehnten Flüchtlingen anbietet, alle zu extrem sind, als dass eine von ihnen für uns eine echte Option wäre.
– Rückkehr in das Herkunftsland: Wenn eine Rückkehr für uns eine sichere Alternative darstellen würde, hätte niemand von uns ein komplettes Jahr in der Wüste verschwendet.
– Rückkehr nach Libyen: Im Moment sind die Umstände in Libyen hart und nicht sicher.
– Wir stehen schon unter den tunesischen Migrationsgesetzen und können selbst nichts unternehmen bis wir Anwälte haben und einen Grund, um in Tunesien zu bleiben.
Wir fordern die Wiederaufnahme unserer Fälle durch das UNHCR Protection Team. Die Anzahl der Flüchtlinge, die endgültig abgelehnt wurden, beträgt 298 Personen. Diese Beschwerde kommt von ihnen allen. Wir benötigen ein Einschreiten des Internationalen Kommitees. Unter den abgelehnten Communities befinden sich Menschen aus der Elfenbeinküste, Liberia, Sierra Leone, dem Tschad und Sudan, die schon früher die schlechten Übersetzungen durch Angehörige der Gegenparteien beklagt hatten.