Wir, die Initiative gegen Isolation, verstehen uns als offener Zusammenschluss von Menschen, die die Lage der Asylsuchenden im Landkreis Leipzig verbessern wollen.

Generell lehnen wir eine zwangweise Sammelunterkunft von Asylbewerber_innen an den Rändern unserer Gesellschaft ab. Diese Politik ist institutioneller Rassismus: Asylbewerber_innen werden bewusst aus dem Stadtbild entfernt. Diese Isolation negiert das Teilhaberecht am kulturellen, politischen oder sozialen Zusammenleben der Stadt oder der Gemeinde. Durch den fehlenden Kontakt bleiben die Asylbewerber_innen auch stets „die Fremden“, wodurch Vorurteile nicht abgebaut, sondern verfestigt werden. Eine solche Diskriminierung ist gerade in der schwierigen Situation eines Flüchtlings besonders gefährlich, da bestehende Ängste und Unsicherheitsgefühle nur verstärkt werden – was dies für durch Erfahrungen in ihrem Heimatland oder auf der Flucht traumatisierte Menschen konkret bedeutet, können wir wahrscheinlich nicht einmal erahnen. Sicher ist aber, dass eine solche Situation für alle auf Dauer krank machend ist.

Neben dieser gesellschaftlichen Isolation ist es auch ein finanzieller Aspekt, der gegen eine solche Unterbringung in Heimen spricht. Die Asylsuchenden, die gezwungenermaßen in abgelegenen Heimen leben, müssen ihr ohnehin geringes Taschengeld von 40,90€ im Monat auch noch für Fahrtkosten verwenden, denn Behörden, Beratungsstellen und Ärzte liegen meist zentral und sind somit für die Aslybewerber_innen schwer zu erreichen. Dass hier bewusste Abschreckungspolitik betrieben wird, zeigt sich auch daran, dass die Unterhaltung von Sammelunterkünften den Staat nachweislich teurer kommt, als eine dezentrale Unterbringung.

Wir sehen es als unerlässlich an, dass die Flüchtlinge die Möglichkeit einer gesellschaftlichen Teilhabe und Integration bekommen. Dabei verstehen wir Integration nicht als unterordnende Anpassung, sondern als ein gleichwertiges Zusammenleben und Miteinander. Deshalb fordern wir eine Abschaffung der Heime und eine freie Wohnortwahl, sowie grundsätzliche Bewegungsfreiheit. Außerdem halten wir es für Asylbewerber_innen für zwingend notwendig:

– dass es keine rassistischen Sondergesetze gibt
– dass für Flüchtlinge die selben Leistungsansprüche gelten wie für Inländer_innen
– dass es nicht mehr zu Abschiebungen kommt
– dass der unerlaubte Aufenthalt kein Strafbestand mehr ist – kein Mensch ist illegal
– dass keine Sanktionen ausschließlich gegen Ausländer eingesetzt werden
– dass die Residenzpflicht abgeschafft wird, die den Flüchtlingen jegliche Mobilität versagt
– dass diskriminierende Behandlungen durch Ämter und rassistische Polizeikontrollen aufhören
- dass Anwält_innen für das gesamte Asylverfahren beigeordnet werden, wobei die fehlerfreie Kommunikation sichergestellt ist;
- dass eine Sprachvermittlung bei Briefen/Formularen, Behördengängen und bei medizinischer Behandlung gestellt wird;
- dass die Ärzt_innen/Psycholog_innen frei gewählt werden können und nur diese entscheiden, welche Behandlung notwenig ist und ihnen vergütet wird
- dass eine hauptamtliche soziale Betreuung eingeführt wird;
- dass die Flüchtlinge freien Zugang zur Bildung erhalten (z.B. Studium, Ausbildung, Schule);
- dass kostenlose Deutschkurse ortsnah angeboten werden;
– dass vor allem Kinder und Jugendliche Unterstützung bei ihrer schulischen Ausbildung erhalten, z.B. in Form von kostenloser Nachhilfe;
- dass die Flüchtlinge freien Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten, was auch selbstständige Tätigkeiten einschließt;

Insgesamt erachten wir es als ein Muss, dass Flüchtlinge ein politisches Mitspracherecht in der Kommune, Gemeinde und/oder Stadt erhalten und sie so die Möglichkeit haben ihre Forderungen vortragen zu können, um sie in letzter Konsequenz durchzusetzen.

Ebenso wichtig ist für uns, dass wir mit unserer Arbeit auch an akuten Problemen ansetzen und neben langfristigen Lösungen auch gegenwärtige Verbesserungen zusammen mit den Betroffenen finden. Das bedeutet, dass wir unser Handeln an den gegebenen Umständen orientieren und versuchen die Situation schrittweise zu verbessern. Schwerpunkt der „Initiative gegen Isolation“ ist hierbei vor allem die Öffentlichkeitsarbeit. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, eine breite Öffentlichkeit für die Belange und die Situation von asylsuchenden Menschen zu sensibilisieren. Dazu wollen wir die unerträglichen Zustände in der Unterbringung und den diskriminierten Umgang mit Asylbewerber_innen im Landkreis Leipziger dokumentieren, sammeln und veröffentlichen. Die Initiative leistet keine direkte soziale Betreuung für Asylsuchende, möchte diese aber durch initiierte Projekte unterstützen. Weiterhin sollen Menschen, Projekte und Initiativen, die sich mit dem Thema Asyl- und Flüchtlingspolitik im Leipziger Land und Umland beschäftigen, miteinander vernetzt werden – um gemeinsam die Lage von Asylbewerber_innen zu verbessern.

Dabei wollen wir mit den betroffenen Flüchtlingen zusammenarbeiten und sehen die von den Flüchtlingen selbst geäußerten Belange und Forderungen als Basis unserer Arbeit an.